Chefärzte der Parkinson-Fachkliniken warnen vor
Ohrimplantaten
zur Behandlung der Parkinson-Krankheit
In den letzten
Wochen läuft in verschiedenen Illustrierten und auch im Fernsehen eine erneute
Marketing-Offensive bezüglich der „ewigen Nadel“, wie Herr Dr. Werth aus
Magdeburg seine Behandlungsmethode der Parkinson-Krankheit mit der
Implantations-Ohrakupunktur nennt. In den Veröffentlichungen wird
fälschlicherweise der Eindruck geweckt, dass die medikamentöse Therapie der
Parkinson-Krankheit ihre Wirkung nach fünf Jahren verliert und dass die
Krankheit durch die Ohrakupunktur sogar heilbar ist.
Bei dieser
Behandlung werden bis ca. 30 Titan-Nadeln unter der Haut der Ohrmuschel zum
Verbleib eingepflanzt. Bezüglich Wirksamkeit und Nebenwirkungen dieser Methode
hat die Deutsche Parkinson-Vereinigung im Jahre 2002 eine Studie finanziert.
Die Studie wurde durch Herrn Dr. Teshmar (Saarlouis) bei 60 Patienten
durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im April 2004 in den „dPV-Nachrichten“
publiziert (Nr. 88, April 2004). Die Experten des Ärztliche
Beirates haben die Studienergebnisse analysiert und sind zu folgender
Beurteilung und Empfehlung gekommen:
„Nach
Würdigung der vorliegenden Daten, insbesondere der Studienergebnisse von Herrn
Dr. Teshmar und vieler Einzelberichte Betroffener, kommen Herr Dr. Götz ehemals
1. Vorsitzender der dPV und der Ärztliche Beirat gemeinsam zu der Auffassung,
dass die Ohrakupunktur zur Zeit als Implantat nicht zu empfehlen ist. Es ist
zwar bekannt, dass in Einzelfällen über einige positive Ergebnisse berichtet
wird, die jedoch in der Gesamtwertung Ausnahmefälle zu sein scheinen.“
Die meisten
Kliniken, die von Herrn Dr. Werth als Referenz in seinen Veröffentlichungen
genannt werden, sind schon gerichtlich gegen diese Behauptungen vorgegangen
oder beabsichtigen, es zu tun.
Die Patienten,
die diese Behandlung bei sich durchführen ließen und sich später in unserer
Behandlung befanden, waren im
Allgemeinen unzufrieden mit dem Behandlungserfolg. Bei einigen
Patienten waren eitrige schmerzhafte Infektionen an den Einstichstellen zu
beobachten. Bei dem Patienten, den Herr Dr. Werth in Videos zeigt, dauerte der
„Behandlungserfolg“ genau einen Tag. Wir raten unseren Patienten
dementsprechend von dieser Methode Abstand zu nehmen.
Übrigens ist
eine Methode, die heutzutage die Heilung der Parkinson-Krankheit verspricht,
unseriös und der Anbieter hat meist finanzielle Interessen. Die Behandlung mit
der Einpflanzung der Nadel in einer Sitzung kostet nach Patientenangaben und
auch nach der eigenen Preisliste von Herrn Dr. Werth ca. 4.000 Euro plus 10
Euro/Nadel. Dies ist das 195-fache des Einzelsatzes der Ärztlichen
Gebührenordnung.
Den
Unterzeichnern sind auch Fälle bekannt in denen noch höhere Honorare verlangt
wurden. Die gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernehmen wegen nicht
bewiesener Wirksamkeit keine Kosten für diese Behandlung.
INAURIS, das
internationale Netzwerk für kontrollierte Implantatakupunktur, hat in der
Zwischenzeit Herrn Dr. Werth wegen „gesetzwidrigen und unprofessionellen Aktivitäten“
ausgeschlossen.
Für
die Arbeitsgemeinschaft Parkinson-Fachkliniken (AGPFK) wurde diese
Stellungnahme gezeichnet von:
Frau
Dr. med. Anja Bilsing, Paracelsus Nordseeklinik Helgoland; Frau Dr. med Ilona
Csoti, Dr. med. Ferenc Fornadi, Gertrudis-Klinik Biskirchen; Dr. med. Joachim
Durner, Fachklinik Ichenhausen; Priv.-Doz. Dr. med. Georg Ebersbach,
Neurologisches Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen/Parkinson,
Beelitz-Heilstätten; Dr. med. Gerd Fuchs, Parkinson Klinik Wolfach; Dr. med.
Irene Gemende, Prof. Dr. med. Hayo Schipper, Waldklinik Bernburg; Dr. med.
Matthias Oechsner, Dr. med. Alexei Korchounov, Parkinson Klinik Bad Nauheim;
Dr. med. U. Polzer, ASKLEPIOS Fachklinik Stadtroda; Frau Prof. Dr. med. Claudia
Trenkwalder, Paracelsus-Elena-Klinik Kassel; Dr. med. Peter Wittenhorst,
Schloßberg-Klinik Wittgenstein.
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