Wie entsteht die Krankheit?

Eindeutige Ursachen für die fortschreitende Funktionsstörung und das vorzeitige Absterben von Nervenzellen, die der Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson, Paralysis agitans oder idiopathisches Parkinson-Syndrom) zugrunde liegen, konnten bis heute nur für die seltenen genetischen Formen identifiziert werden. In mehr als 90 Prozent aller Fälle aber wird die Erkrankung nicht direkt vererbt. Die Genetiker beziffern den Anteil der individuellen (vererbten) Veranlagung an Parkinson zu erkranken, auf ungefähr 30% - daneben spielen andere Ursachen eine Rolle: eine verstärkte Belastung durch verschiedene Umweltgifte (Pestizide, Lösungsmittel, Schwermetalle) und vielleicht sogar der Einfluss bestimmter Nährstoffe. Viele Forscher gehen mittlerweile davon aus, das verschiedene Ursachen und Kombinationen dieser verschiedenen Einflüsse auch unterschiedliche Krangheitsvarianten verursachen. Dies könnte auch erklären, warum die Hauptsymptome in ganz unterschiedlicher Ausprägung auftreten: manchmal ist das Zittern stärker ausgeprägt, während häufiger die Bewegungsarmut im Vordergrund steht. Auch das Fortschreiten der Symptome, zu denen auch Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, Gedächnisstörungen und Depressionen hinzukommen können, ist unterschiedlich. Vielleicht wäre es sinnvoller, grundsätzlich von einem Parkinsonsyndrom zu sprechen, da die Symptome bei den Betroffenen so individuell ausgeprägt sind.

Viele dieser Symptome werden auf eine Störung der Verbindungen verschiedener Nervenzellen zurückgeführt: die Nervenzellen kommunizieren über Schaltstellen und chemische Botenstoffe miteinander (Synapsen und Neurotransmitter). Nervenfasern darf man sich nicht als durchgehendes Kabel vorstellen. Sie sind eben über diese Synapsen verbunden. In einer Zelle verläuft die Erregungsweiterleitung „elektrisch“ aber am Ausläufer der Nervenzelle geht dieser in die Synapse über, wo eine chemische Reizweiterleitung erfolgt und der chemische Botenstoffe, der sogenannte Neurotransmitter freigesetzt wird und die nächste Nervenzelle stimulieren (oder auch hemmen) kann.

Einer der wichtigsten Botenstoffe für die Steuerung unserer Bewegungen ist Dopamin. Dopamin ist an den unterschiedlichsten psychischen Reaktionen beteiligt, Motivation, Konzentration und Belohnung. Aber Dopamin ist auch von großer Bedeutung für körperliche Bewegung, denn ein Mangel an Dopamin führt eben zu den typischen Symptomen der Parkinson-Krankheit („Schüttellähmung“). So kommt es zu Bewegungsarmut (Akinese), Zittern (Ruhetremor) und Muskelsteifheit (Rigor) sowie Störungen der aufrechten Körperhaltung (posturale Instabilität). Diese Hauptsymptome wurden bereits 1817 von dem britischen Arzt und Apotheker James Parkinson in seinem „Essay on the Shaking Palsy“ sehr detailliert beschrieben. Neben den Dopamin-produzierenden Nervenzellen sind aber auch noch andere von dem Krankheitsprozess betroffen, z.B. die serotonergen und noradrenergen Zellen. Es gibt noch weitere Neurotransmitter, z.B. Acetylcholin, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und Glutamat, die für die Erregungsweiterleitung oder auch für die Hemmung einer zu starken Erregung zuständig sind. Harmonische Bewegungsabläufe entstehen nur, wenn die beteiligten Neurotransmitter in einem bestimmten gesunden („physiologischen“) Gleichgewicht vorhanden sind.

Erste Einschränkungen der Beweglichkeit machen sich ungefähr dann bemerkbar, wenn 60 bis 70% der Dopamin produzierenden Zellen in ihrer Funktion gestört sind. Jahrelang hat man sich bei der Erforschung von Parkinson auf die Degeneration der besonders empfindlichen, Dopamin produzierenden Zellen in der „Substantia nigra“ konzentriert. Doch das greift zu kurz, wie die neuere Forschung zeigt: ging man lange davon aus, dass bei einer Parkinson-Erkrankung vornehmlich diese Nervenzellen betroffen sind, so wissen wir heute, dass nicht nur andere Nervenzellen im Gehirn, sondern zum Beispiel auch das vegetative Nervensystem beteiligt sein können. Besonders auffällig ist, dass das körpereigene Eiweiß Alpha-Synuklein das man zunächst nur in den Zellen der Substantia nigra vermutet hatte, auch im Magen-Darm-Trakt charakteristische Ablagerungen ausbildet. Aber auch das ist womöglich nur ein Teilaspekt der Erkrankung, die durch eine Vielzahl unterschiedlich ausgeprägter Symptome gekennzeichnet ist und deren Ursachen trotz intensiver Forschung noch weitgehend unbekannt sind. Bei Untersuchungen im Jahr 2019 ist man sogar zu dem Schluss gekommen, das Alpha-Synuklein nur einen kleinen Teil dieser Ablagerungen, die man nach ihrem Entdecker auch Lewy-Lörper nennt, darstellt. Auch ist immer noch unbekannt, ob diese Ablagerungen Ausdruck des Krankheitsprozesses selber sind – oder womöglich Schutzmaßnamen der betroffenen Zellen.